Für eine lösungsorientierte Bildungspolitik – ein Blick auf die Situation in der Uckermark
Inspiriert von Hans-Joachim Bliefert, Mitglied unseres FDP-Kreisverbands in Schwedt, konnten wir Einblick in die Situation einer Schule in Schwedt und damit stellvertretend auch der Uckermark gewinnen. Bliefert betreut in Schwedt die Moped-AG für Schüler und hat Kontakte zu anderen AG-Organisatoren an verschiedenen Schulen. Er organisierte ein Informationstreffen bei dem uns die Ergebnisse der VERA 8 Tests für Schwedt seit 2021 vorgestellt wurden. VERA 8 (Vergleichsarbeit in der 8. Klasse) ist ein verpflichtender standardisierter Test in Deutschland, der den Lernstand von Schülern in Fächern wie Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch anhand der nationalen Bildungsstandards überprüft.
Die Ergebnisse sind alarmierend. Insbesondere die Lesefähigkeiten nehmen extrem ab und der Landkreis Uckermark weist hierbei im Landesvergleich mit die höchsten Defizite auf. Die Ursachen dafür sind unklar. Der Migrationsanteil ist in der Uckermark mit 5,6 % vergleichsweise niedrig. Mit fehlender muttersprachlicher Kompetenz können die abnehmenden Lesefähigkeiten daher nur bedingt erklärt werden. Auch ob fehlende Vorbereitungen in Kitas, weniger (Vor-)Lesen im Elternhaus oder der zunehmende und altersmäßig immer frühere Gebrauch von Smartphones ursächlich sind, lässt sich nur mutmaßen. Diesbezüglich wäre eine rasche wissenschaftliche Evaluierung der Problematik, initiiert und unterstützt von der Landespolitik, erforderlich. Auf Grundlage der evaluierten Ergebnisse müssen bildungspolitische Gegenmaßnahmen besser heute als morgen in die Wege geleitet werden.
Festgestellt wurde im Gespräch auch, dass die Aufmerksamkeitsspanne massiv sinkt. Zudem sind die Einzelförderbedarfe heute höher als noch vor einigen Jahren und Unselbständigkeit nimmt zu. Die Schulen müssen in immer höherem Maße auffangen, was Eltern nicht leisten und das mit zunehmendem Personalmangel. Wie wir erfahren haben, ist es nicht leicht, neue Lehrkräfte für die Arbeit in der Uckermark zu gewinnen und inzwischen ist auch der Seiteneinsteigermarkt leergefegt. Auch hier kann und muss die Landespolitik gegensteuern.
Überdies wurde für eine zukunftsfähige Ausrichtung des Schul- und Lernprofils mehr Freiheit und Eigenständigkeit der Schulleitung sowie eine diesbezügliche Unterstützung durch das Staatliche Schulamt eingefordert.
Bildung ist die Chance für den individuellen Aufstieg, Bildung ist der wertvollste Rohstoff in Deutschland. Sehen wir nicht tatenlos dabei zu, wie Lesefähigkeiten verloren gehen, denn daraus resultieren Probleme in der schriftlichen Arbeit und beim Verstehen eines gelesenen Textes. Die Folgen etwa beim Erwerb eines ordnungsgemäßen Schulabschlusses und in der Berufsausbildung sind enorm. Für eine lösungsorientierte Bildungspolitik in Brandenburg und der Uckermark ist es höchste Zeit und Erfahrungsaustausche mit Eltern sind dringend angezeigt.