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Landwirtschaft in der Uckermark – was kann Kommunalpolitik tun?

Rudolf Hammerschmidt

Anfang April 2026 trafen sich unsere Vorstandsmitglieder Dr. Eberhard Bräter und Ivo Smolak zu einem Gespräch mit Rudolf Hammerschmidt, Vorsitzender des Verbandes „Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg“ und auch Mitglied der Freien Demokraten. Hammerschmidt bewirtschaftet ein Gut mit 1.100 Hektar Ackerland im Norden der Uckermark. Der Verein „Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg“ vertritt ähnliche Interessen wie der Bauernverband, setzt seinen Schwerpunkt aber auf Eigentum und Erbrecht während der Bauernverband eher ein Nutzerverband ist, der Pächter vertritt.

Im Gespräch ging es vor allem darum, aus erster Hand die landwirtschaftliche Perspektive auf politische Entscheidungsprozesse kennenzulernen. Dabei war der Runde bewusst, dass in erster Linie regulatorische Vorgaben der EU-, Bundes- und Landesebene Einfluss auf die Landwirtschaft haben, weniger die kommunale Politik. Deshalb wurden von Rudolf Hammerschmidt auch Probleme adressiert, die deutschland- und europaweit für die Landwirtschaft von Bedeutung sind. 

In der Landwirtschaft zählt Größe, auch für Familienbetriebe, von denen es in der Uckermark viele gibt. Der laufende Strukturwandel zu mehr Größe wird sowohl durch Kostendruck in der Produktion als auch das Ausmaß der Regularien verursacht. Je größer ein Betrieb ist, desto leichter kann er Auflagen umsetzen und den Kostendruck durch Skalierung entschärfen.

Ein bedeutendes Problem in der Landwirtschaft stellen, wie für andere deutsche Wirtschaftszweige, die steigenden Energiekosten dar. Die CO2-Abgabe steigert sowohl die Transportkosten durch teuren Diesel als auch die Kosten für Düngemittel durch den steigenden Gaspreis. Diese Kosten sind politisch auferlegt und sorgen für einen Wettbewerbsnachteil für die deutsche Landwirtschaft.

Deutsche Landwirte empfinden überdies die regulatorischen Vorgaben zunehmend als realitätsfern und wünschen sich Realpolitik, die sich an ihren Erfahrungen orientiert. Ein Beispiel für Realitätsferne ist die vielfach geforderte, nachhaltige Kreislaufwirtschaft in dem Sinne, das Futter für die Nutztiere vor Ort produziert, das Fleisch und andere Erzeugnisse der Tiere vor Ort verarbeitet und regional vermarktet werden. Diese Vorstellung von Kreislaufwirtschaft zeugt von einer gewissen Weltfremdheit. Denn dazu müssten beispielsweise Ställe neu gebaut werden, doch derartige Neubauten werden von Klagen der Natur- und Umweltschutzverbände häufig verhindert. Zudem fehlen Schlachthöfe in denen Fleisch verarbeitet werden kann. Für Betriebe, die nicht schon über Ställe verfügen, lohnt es nicht, mit der Nutztierhaltung zu beginnen.

Auch Hammerschmidt betreibt keine Viehwirtschaft sondern baut Zuckerrüben, Gerste, Raps und Weizen an. Vom Weizen geht viel in den Export, ähnlich wie von vielen anderen Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg. Gegenüber dieser Tatsache ist wiederum häufig Kritik von der Position zu hören, die eine regionale Kreislaufwirtschaft als Ideal ansieht. Aber auch dieser Kritik ist eine gewisse Weltfremdheit zu attestieren, denn zum einen lohnt es sich, Anbauprodukte, die auf verschiedenen Flächen unterschiedlich gut angebaut werden können, überregional auszutauschen. Und zum anderen bedeutet Export Überschuss und sorgt damit für Arbeitsplätze und Wohlstand.

Des weiteren sprach Hammerschmidt über die Landesdüngeverordnung, die gesetzliche Pauschalvorgaben macht, die mit der flexiblen und kleinteiligen Sicht der Landwirte auf verschiedene Böden selten übereinstimmt. In diesem Zusammenhang wies er daraufhin, dass Pflanzenschutzmittelzulassungsverfahren beschleunigt werden müssen.

Zudem wurden Fauna-Flora-Habitat-Gebiete thematisiert, europäisch geschützte Lebensraumtypen, in denen die Natur sich selbst überlassen werden soll. Demgegenüber lässt sich nach mindestens 2500 Jahren europäischer Kulturlandschaftsbearbeitung fragen, was „Natur“ eigentlich bedeutet. Ist es bereits Natur, wenn Schafherden über weite Flächen grasen und dabei von einem Hirten und dessen Hund begleitet werden? Oder darf Natur nur noch dann als Natur bezeichnet werden, wenn sich im Naturraum kein Mensch mehr aufhält, obwohl auch Menschen eigentlich Teil der Natur sind? Diese Fragen berühren Themen, die sich vielleicht philosophisch beantworten lassen und darüber hinaus Widersprüche im modernen Naturverständnis aufzeigen. Sich selbst überlassene Natur kann in ihrem darwinistischen Prinzip der Auslese der Stärksten grausam sein und über Jahrhunderte sahen die Menschen die Natur eher als Feind an, den es zu zähmen galt. Diese Tatsache wird heutzutage in einem romantisierenden Naturverständnis gern vergessen. Und nebenbei scheint hier auch der grundsätzliche Widerspruch zwischen Natur- und Klimaschutz auf. Während Naturschutz häufig ein idealisiertes Bild von unberührter Natur zeichnet, propagiert der Klimaschutz Windräder und Solarparks, die das komplette Gegenteil dieses Bildes darstellen.

Abschließend wies Hammerschmidt daraufhin, dass die europäischen und Landesvorgaben zur Regulierung der Landwirtschaft im Landkreis Uckermark relativ pragmatisch umgesetzt werden. Aktuell bereitet jedoch der Biber zunehmend massive Probleme bei der Entwässerung und sollte regional stärker als Gefährdung wahrgenommen werden.

Grundsätzlich ließ sich im Gespräch festhalten, das Kommunalpolitik Landwirte unterstützen kann durch Kontaktaufnahme zu praxisnahen Akteuren in der Landwirtschaft und das Weitergeben von Gesprächsinhalten und angesprochenen Problemen an höhere politische Ebenen.